Sabine, 61, Kunst- und Kulturvermittlerin

Als selbständige Kunst- und Kulturvermittlerin war ich bis März 2020 mit Herzblut für Museen und Gruppen von Bildungseinrichtungen in meiner Region tätig. Mit dem ersten Lockdown und dem Herunterfahren aller direkten Angebote vor Ort verlor ich plötzlich alle Einnahmequellen.

Monatelang konnte ich in dieser Zeit, wenn überhaupt, nur online Vorträge halten. Nach Wiedereröffnung unter der 3G-Regel konnte ich dann nur mit tagesaktuellem Test und unter Einhaltung der Maskenpflicht Führungen für kleine Gruppen machen. Alternativ war ich als Dozentin in der Volkshochschule und Frauenakademie tätig.

Infolge der vielen Nasenabstriche, die vor allem von männlichen Testern per Stäbchen oft sehr grob und bis in den Zugang zum Gehirn durchgeführt wurden, litt ich einige Zeit unter nächtlichen Schmerzen, die erst durch Entgiftungsmittel wieder verschwanden.
Mit der Verschärfung zu 2G musste ich um mein gültiges Recht als freiberufliche Arbeitnehmerin kämpfen: Das gelang mir bei zwei Museen, in dem ich mich brieflich direkt an die Direktorinnen wandte.

Zutritt zu Museen verboten   

Die für mich bitterste Erfahrung betraf ausgerechnet das Historische Museum. Die dortige Leitung bestand auf 2G, was für mich und für externe Besucherinnen und Besucher galt. Damit machten sie mir jede weitere Beschäftigung unmöglich. Dabei war das Historische Museum zuvor meine Haupteinnahmequelle gewesen – dort hatte ich mich mit ganzem Herzblut als kompetente Vermittlerin in unterschiedlichsten Angeboten – für Grundschüler bis zu inklusiven Formaten- einbringen können. Nun aber erfuhr ich auch von der bislang hilfsbereiten, verständnisvollen Vorgesetzten keinerlei Unterstützung. Im Nachhinein erfuhr ich, dass Mitarbeiter des Museums sehr wohl auch ungeimpft weiter arbeiten konnten.
Bis heute ist es mir unmöglich, dieses Verhalten mir gegenüber zu entschuldigen, zudem es sich um ein Haus handelt, in dem auch die kaum 100 Jahre zurückliegende Geschichte gelehrt und vermittelt wird. Von Anfang an hatte ich dazu Parallelen gezogen…

Ich saß am Katzentisch

Ich leide heute noch unter den wirtschaftlichen Folgen als Solo-Selbständige und es kostet mich großen Aufwand, einer geforderten Rückzahlung der Soforthilfen zu entgehen. Was mich auch schwer belastete, war, wie ich als Ungeimpfte diskriminiert wurde: vor aller Augen abgewiesen zu werden und zu Kinos, Theatern und Gaststätten keinen Zugang zu bekommen, war ja nicht alles. Ich konnte auch nicht mehr in Bibliotheken gehen, auf die ich aufgrund meines Jobs angewiesen war. In der zentralen Stadtbücherei empfand ich es als besonders erniedrigend, von einem Mitarbeiter auf meinen Impfstatus kontrolliert zu werden, der sich seine Reaktion auf meine „Nicht-Bereitschaft zur Solidarität“ deutlich anmerken ließ. Da er mich unverhohlen moralisch verurteilte, wies er mir einen „Katzentisch“ in einer seitlich separierten Wartezone zu. Dort durfte ich dann einige Minuten auf einen anderen bibliotheksinternen Mitarbeiter warten, um zumindest die vorbestellten Bücher abholen zu können.
Im Unterschied dazu erfuhr ich viel freundlichen Umgang in meinen anderen Wirkungsorten: Dort wurde ich zwar auch ‘ordnungsgemäß’ meine negativen Tests geprüft, doch wurde dieser mit einem Augenzwinkern und menschlichem Verständnis kommentiert.

Alte Freunde gingen, neue kamen

Im privaten Bereich blieb die Krise natürlich auch nicht folgenlos. Ich habe viele frühere Freundinnen und Freunde – oder solche, von denen ich glaubte, sie seien es – verloren. Dafür traten neue Verbindungen zu besonders wertvollen Menschen in mein Leben.
Eine Spaltung habe ich vor allem in der Beziehung mit meinem Bruder erfahren, der im Unterschied zu meinen Schwestern von jeher verkopft und naiv-gutgläubig Ideologien gefolgt ist.

Ich hoffe, vor allem für meine zweifach gespritzte Tochter und ihren Freund, dass sie möglichst wenig Schädliches abbekommen haben.
Als sensible, schon immer stark auf die eigene Intuition vertrauende Person bekam ich aufgrund der vielen Einschränkungen „Schläge“ auf mein Rückgrat – und dadurch massive Knieprobleme.

Blick nach vorn – trotz Schmerz

Meinem geliebten, bisher zweimal wöchentlich per Zoom praktizierten Yoga konnte ich nicht mehr nachgehen. Fitness- und andere Studios hatten zudem wegen der Hygieneauflagen lange Zeit Zugangsbeschränkungen. Nachdem ich unter stärksten Schwellungen und Schmerzen litt, wurde Arthrose diagnostiziert.

Als Bewegungstyp reagierte mein ganzer Körper mit Muskeln und Faszien von den Schultern abwärts auf die seelischen Einschränkungen. Mit viel Disziplin und der Unterstützung einer erfahrenen Heilpraktikerin, der ich absolut vertraue, komme ich ganz allmählich wieder in die Balance.
Ich spüre, wie ich auch mithilfe meiner neu gewonnenen Freundin, einer wahren Seelenverwandten, die sich um ihren berufsbedingten geboosterten Ehemann und ihren Sohn sorgt, nach vorne blicken kann. Ich plane heute, aus allem, was war und ist, Neues zu entwickeln.