Professoren, die das Gegenteil dessen praktizieren, was sie lehren, politisch gefärbte Vorlesungen und Mitstudenten, für die Ausgrenzung ganz okay ist, wenn es nur gegen die “Richtigen” geht? Ingo schildert seine Erlebnisse als ungeimpfter, kritischer Student an einer deutschen Uni während der Coronazeit. Hier geht es zum  ersten Teil.


Mit dem Wechsel zur Online-Lehre fiel die „Maskenpflicht“ zum Glück weg. Dennoch ist die Diskrepanz zwischen Lehrinhalten und aktiver Anwendung schwer nachzuvollziehen – aber weit verbreitet, wie die nächste Geschichte weiter verdeutlicht.

Individualität tut weh

 Ein weiteres Erlebnis hatte ich in einer anderen Vorlesung. Die Professorin nahm ihre FFP2-Maske zunächst am Fuße des Hörsaals ab; nachdem sie uns selbstbewusst versichert hatte, sie sei aufgrund der kürzlich erhaltenen 3. „Impfung“ jetzt überaus sicher, sich nicht mehr mit Covid infizieren zu können, begannsie mit der Vorlesung. Im Verlauf kam es zunächst zur Erwähnung diverser sozialer Experimente, z.B., wie Menschen anderen auf Befehl von Autoritäten Schmerzen zufügten und wie sich die meisten dabei dem Gruppenzwang unterwarfen, ja, wie sie selbst bei offensichtlichen Fehlern der Gruppe ihre Individualität aufgeben, nur um konform zu gehen.

Besonders eindrücklich fand ich hierbei, dass in Experimenten entdeckt wurde, dass sozialer Ausschluss beim Mensch im Gehirn ähnliche Bereiche aktiviert, wie jene, die auch bei körperlich zugefügtem Schmerz aktiv sind.

Ausgrenzung? Nein! Es sei denn …

Erschreckend war, dass die Professorin den Studenten immer wieder direkt oder indirekt klarmachte, dass Ausgrenzung von gewissen Bevölkerungsschichten (z.b. Rechter oder Querdenker) vollkommen in Ordnung sei, da diese die Gemeinschaft mit ihren Anschauungen gefährden. Diese Diskrepanz zwischen Lehrinhalt und Anwendungsfähigkeit auf die gegebenen Umstände scheint nahezu in fast allen Bereichen der Universität vorzuherrschen – das schockiert mich wirklich.                                                                                                                                                                                          Es werden Inhalte behandelt, die thematisch hochaktuell sind, jedoch wird nicht nur nicht verstanden, was während der letzten Jahre im gesellschaftlichen Bereich passiert ist, sondern es besteht auch überhaupt kein Interesse daran, etwas kritisch zu hinterfragen oder zu verändern. Andere Professoren stuften Teilnehmer bei Friedensdemos, die medial ausgestrahlt wurden, des Öfteren als psychisch auffällig ein.

Moralisch überlegen

Mit Studenten kam es im Verlauf der letzten Jahre ebenfalls zu einigen unschönen Situationen, von denen ich die wesentlichen hier kurz schildern will. Zunächst habe ich bei einem Treffen von Studenten einer anderen Fachrichtung mit erlebt, wie diese den unliebsamen Umgang mit ihren „ungeimpften“ Mitstudenten nicht nur geduldet, sondern sogar befürwortet haben. In einer Vorlesung habe der Professor nach Berichten der Studenten, alle ungeimpften Studenten aufgefordert, den Saal zu verlassen, da ansonsten die Vorlesung nicht plangemäß stattfinden könne. Die Geschichte allein machte mich schon sehr betroffen und ich fragte offen, ob dies nicht die falsche Art sei, mit seinen Mitmenschen umzugehen.

Ein Student entgegnete mir jedoch, dass das richtig und nötig sei, da es ja irgendwie weitergehen müsse und die Betroffenen selbst schuld an ihrer Situation seien. Diese Aussage ist an und für sich schon verwerflich genug – der sichtliche Genuss und die eingebildete Überlegenheit, die dem Kommilitonen deutlich anzusehen waren, verursachten mir so üble Gefühle, dass ich sie mit Worten kaum beschreiben kann …