Einmal um den Parkplatz
Franz, 72, Rentner
Ein kleines, unspektakuläres Ereignis aus der Coronazeit, das mir einfach nicht aus dem Kopf geht:
Nachdem es uns gnädigst gestattet wurde, unter vielen Auflagen wieder in Baumärkten einzukaufen, suchte ich meinen örtlichen Baumarkt auf, um ein Metallblech zu kaufen. Ich wollte bewusst den örtlichen Betrieb unterstützen, gerade wegen der persönlichen Beratung, die dort stets geleistet wurde – anders als in den großen Baumarktketten.
Am Eingang war ein junger Mitarbeiter positioniert, nach meiner Schätzung ein Auszubildender im ersten Lehrjahr. Er trug eine auffällige Signalkleidung, und hatte offenbar die Aufgabe, die Einhaltung des betrieblichen Coronaschutzkonzepts zu überwachen. Mit Schutzmaske betrat ich den Markt und kaufte das gewünschte Teil. Am Ausgang ging ich geradewegs in Richtung meines ca. fünf Meter entfernten Autos, als mich plötzlich jemand laut anschrie: “Stopp, so können sie nicht gehen!” Ich drehte mich um und entdeckte den Knaben von vorhin. Auf die Frage “Warum denn nicht?” antwortete er mir: “Vorschrift!” und zeigte auf ein DIN A 5-Blatt, mit einem Pfeil in die entgegengesetzte Richtung.
Damit es nicht zu einer Begegnung mit anderen Kunden kommen konnte, war anscheinend ein Einbahnverkehr beschildert, den ich zunächst nicht erkannt hatte. Hier war aber außer mir kein einziger Kunde zu sehen. Auf halbem Weg zu meinem Auto, ich hatte noch ca. 2 Meter vor mir, schrie er mich wieder an: “Kehren Sie sofort um, oder es gibt eine Anzeige!”. Das tat ich dann tatsächlich –und bis heute kann ich nicht verstehen, was mich dazu brachte, diesen Irrsinn mitzumachen. Ich musste einen Umweg von etwa 30 Meter laufen, um zu meinem Auto zu gelangen! Ich rief ihm noch zu: “Diesen Laden betrete ich nie mehr!”. Auf der Heimfahrt ging mir alles nochmal durch den Kopf. Ich hatte mich sehr aufgeregt und dachte, dass mir seit meiner Bundeswehrzeit vor 50 Jahren solche irrsinnigen Befehle und Demütigungen nicht mehr begegnet sind.
Ich überlegte, ob ich diesen Vorfall dem Marktleiter melden sollte, entschied mich aber, es nicht zu tun. Die Antwort und Ausrede, der Mitarbeiter hätte nur seine Pflicht getan, wollte ich mir ersparen. Ich schildere dieses relativ unbedeutende, aber für mich unvergessliche Ereignis, das mir deutlich vor Augen führte, wie schnell der vernünftige Menschenverstand ausgelöscht und Leute zu willigen, systemtreuen Helfern erzogen werden können. Erschreckend! Wehret den Anfängen!
Denunziert
Christian
Ich habe natürlich, wie jeder von euch, viele unangenehme Sachen in puncto Corona erlebt, aber ein Erlebnis hat mich wirklich geschockt. Ich bin selbstständig und arbeite mit vier Kollegen in einem kleinen Betrieb außerhalb einer Ortschaft, also etwas abgelegen.
Eines Tages standen zwei Herren vom Ordnungsamt vor unserer Tür und wollten mal nach dem Rechten schauen – das hieß, ob wir uns auch coronagerecht verhalten. Konkret bedeutete das, ob wir dokumentieren, wer geimpft ist und ob auch brav Buch über die Corona-Tests geführt wird. Anlass war die Beschwerde eines Kunden, dass ich ihn aufgefordert hätte, die Maske abzunehmen – was falsch war, da ich den Leuten stets nur anbot, diese abzunehmen, falls sie es möchten. Es hat mich also tatsächlich jemand, den ich kenne – wir haben einen eher kleinen Kundenkreis- beim Ordnungsamt angeschwärzt. Das hat mich stark an sehr dunkle Zeiten in Deutschland erinnert. Sowas hätte ich mir nie träumen lassen. Im Grunde genommen eine Lappalie, aber, wenn man sowas selbst erlebt, sehr unangenehm. Im besten Deutschland aller Zeiten.
Etwas ähnliches ist mir beim Bäcker wiederfahren. Ich stand wie alle anderen draussen vor dem Geschäft weil wir immer nur einzeln eintreten durften. Ich stand und wartete, mit einer Sauerstoff Flasche unterm Arm, einer Sauerstoffbrille auf der Nase und einer Corona Haube im Auto. Ich habe ein Masken-Attest, ich bin schwerbehindert und habe eine Pflegestufe. Als die Schlange vor dem Bäcker länger wurde riefen mir dazu kommende Brötchenkäufer lautstark zu, das auf dem Parkplatz im Freien und Mindestabstand Maskenpflicht herrsche. Die meisten waren dann Aufgrund meiner offensichtlichen Unfähigkeit eine “Merkel Haube” zu tragen ruhig. Bis auf einen älteren Herren, der mir wegen seiner Zweifel an der Richtigkeit meiner Aussagen zuerst etwas und dann ganz mächtig auf den Sack gegangen ist. Als er dann verlangte, das ich ihm mein Attest zeige war ich so verdutzt das ich seiner Aufforderung nachgekommen bin. Ich hatte angenommen, das der ältere Herr mich nun endlich in Ruhe lassen würde – so kann man sich irren. Er sah nicht mit einem flüchtige Blick auf mein Attest, sondern studierte es Wort für Wort, bis er endlich etwas gefunden hatte um weiter “Stänkern” zu können. In meinem Attest würde meine Erkrankung fehlen, beschied er mir und damit wäre sie Null und Nichtig. Am Schluss kam dann meine Frau dazu, die in der Zwichenzeit beim Metzger in der Schlange gestanden hat und hat dem älteren Herren dann kurz und knapp klar gemacht, das er sich gefälligst um seinen eigenen Sch*** kümmern soll. Diskussion beendet und Brötchen gekauft. Allerdings nicht ich, sondern meine Frau während ich im Auto wartete – bei einem anderen Bäcker.
Mein Großvater sagte mir schon in der 60er Jahren folgendes: “Geb dem Deutschen eine Uniform mit ein paar Goldknöpfen und er befolgt jede Anweisung ohne Nachzudenken aufs Wort”
Ich habe das mein Leben lang für Unsinn gehalten und Deutschland für eine aufgeklärte Gesellschaft, aber wie dünn diese demokratische Fassade wirklich ist, hätte ich im Leben nicht für möglich gehalten.
Ja, zu der Zeit sind unzählige Blockwarte wieder auferstanden.