Bruno, 62, Diplom-Ingenieur

In den letzten drei Jahren wurde das Leben der meisten von uns ja täglich durch gängelnde Maßnahmen der amtierenden Machthaber bestimmt. Zwei Episoden sind mir wegen ihrer Absurdität dabei besonders in Erinnerung geblieben – eine beklemmende und eine bizarre. Da unsere Tochter in der schönen Schweiz lebt, fahren wir in unregelmäßigen Abständen dorthin, um sie zu besuchen.

Auf einer Rückfahrt im Jahr 2021 hielten wir an einer Autobahnraststätte in Baden-Württemberg. Weil meine Frau und ich als genesen galten, ließ man uns nach Kontrolle der vom Arzt bestätigten Papiere auch eintreten. An der Theke befand sich ein Kunde, etwa Anfang vierzig und mit ihm zwei Mädchen, etwa 12 Jahre alt. Er war gerade dabei, diese Kinder lautstark zusammenzustauchen, weil sie sich an die Scheibe der Vitrine anlehnten, was in seinen Augen wohl gegen die von ihm vertretenen Infektionsschutzregeln verstieß.

Maske auf … !

Als er mich sah, runzelte er die Stirn, kam auf mich zu, und rief im Brustton der Überzeugung “Setzen Sie die Maske richtig auf!”. Er hatte bemerkt, dass meine Nase noch frei war, was ihn offensichtlich aus der Fassung brachte. Da beging ich einen Fehler und fragte ihn, meine eigene Überzeugung vertretend: “Glauben Sie denn wirklich daran?” Er fing sofort an zu brüllen: “Ich werd´ gleich aggressiv!” Ich begang den Fehler, ihn beschwichtigen zu wollen und setzte noch hinzu “keine Angst, wir sind beide genesen.”

Da verlor er endgültig die Nerven und brüllte noch lauter “Ich hol´ gleich die Polizei!”. Ich konnte mein Lachen nicht mehr unterdrücken und hatte gleichzeitig den Gedanken, jetzt schlägt er sicher gleich zu; bei einem Kampf wäre ich wohl der Unterlegene gewesen. Er starrte mich aber nur wutentbrannt an und trollte sich schließlich. Dieses Erlebnis hat mich dann jedoch im Nachhinein, je mehr ich darüber nachdachte, derartig heruntergezogen, dass ich monatelang überlegte, aus meinem geliebten Deutschland auszuwandern.

Keinen Millimeter … !

Bei einem Besuch unserer Tochter Anfang 2022 wohnten wir in einem Hotel auf der deutschen Seite an der Grenze zur Schweiz. Dort gibt es eine Buslinie mit Haltestellen auf der deutschen und auf der Schweizer Seite. Wir stiegen auf der Schweizer Seite ein, um zum Hotel zurückzufahren. Sofort kam vom Fahrer die harsche Aufforderung: “Setzen Sie eine Maske auf!” Dabei deutete er mit einer Geste nach hinten in den Fahrgastraum, in dem gerade mal drei Personen saßen. Der Busfahrer war ziemlich verdutzt als ich entgegnete: “Nein, wir sind hier in der Schweiz – und die haben keine Maskenpflicht mehr”. Er grübelte kurz und antwortete dann: “Na gut, dann nehme ich euch mit. Aber nur bis zur Grenze, dann müsst ihr raus”.

Also ließ er uns einsteigen. Die Bushaltestelle an der Grenze liegt aber 20 Meter auf deutschem Boden. Der Busfahrer hat sich dann wirklich nicht getraut, uns bis zu dieser Haltestelle mitzunehmen: extra für meine Frau und mich legte er einen Sonderhalt ein – auf dem letzten Meter Schweizer Boden.