Ursula, 57, Texterin

Als der Coronawahnsinn begann, befand ich mich bereits am Tiefpunkt meines Lebens. Wenige Monate zuvor waren meine beiden Eltern in kurzer Folge verstorben. Da wir in unserem Drei-Generationen-Haus immer ein enges Team gewesen waren, hatten die beiden Todesfälle die Wirkung von Keulenschlägen. Obwohl beide schon gut über 80 Jahre alt waren und man früher oder später damit rechnen musste: Auf so etwas kann man sich einfach nicht vorbereiten! Besonders heftig traf das traurige Doppelereignis meinen Sohn, der seine Großeltern sehr geliebt hat. Er hatte gerade Abitur gemacht und befand sich in einer persönlichen Orientierungsphase, als bei einem Großelternteil die Krankheit einsetzte, die dann zum Tod führen sollte. An so etwas wie Berufsfindung war für meinen Sohn deshalb noch gar nicht zu denken gewesen.

Wir waren in Schockstarre

Ende 2018 verstarb der erste Großelternteil. Und da – nach über 50 Jahren glücklicher Ehe – der eine nicht ohne den anderen sein wollte, folgte der nächste Todesfall 14 Wochen später. Mein Sohn und ich brauchten Monate, um uns langsam aus der Schockstarre zu lösen. Doch es schien wieder aufwärts zu gehen. Es ging sogar eine erste Bewerbung zur Pilotenausbildung raus, auch weitere Berufsfelder schienen für meinen Sohn, inzwischen 20 Jahre alt, attraktiv zu sein. Da wir beide nach alldem auch finanziell völlig erledigt waren und mein derzeitiger Beruf im Homeoffice (meinen Hauptberuf hatte ich vor Jahren familienbedingt aufgeben müssen) so mies bezahlt ist, dass ich gerade mal mit Ach und Krach für eine Person sorgen kann, schien das ein Silberstreif am Horizont zu sein.

Mit Corona kamen die Angstzustände

Zunächst reagierte ich darauf sehr vorsichtig, da ich die Videos aus China gesehen hatte, in denen junge Leute scheinbar plötzlich auf der Straße umkippten. Als kurz darauf die Meldung kam, dass das Virus nun Deutschland erreicht hätte, ging ich zunächst in meinen persönlichen Lockdown: Ich verließ das Haus nur noch sporadisch, denn ich wollte die Lage erst einmal beobachten. Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass keine Leichen die Straße pflastern würden und es sich bei den chinesischen Videos offenbar um Fakes gehandelt hatte. Damit war das Thema für uns beide endgültig erledigt, gerade mal sechs Wochen, nachdem wir zum ersten Mal davon gehört hatten.

Womit wir nicht gerechnet hatten, war der später ausbrechende Coronawahnsinn. Die Lockdowns und Maskeraden waren ein Albtraum, der Impfterror ein Horror. Da wir beide nicht so gestrickt sind, uns schikanieren zu lassen, beschlossen wir, die Zeit in der inneren Emigration auszusitzen. Nach und nach verschwanden dann aber leider auch die Berufswünsche von der Liste meines Sohnes. Eine Option für ihn wäre der Polizeidienst gewesen. Diese Idee war aber Geschichte, als die Polizei ihre Tänze mit den Abstandshölzchen aufführte, Rentner von öffentlichen Bänken und Kinder von der Rodelpiste verjagte. So ehrenlos wollte er niemals werden.

 Mein Sohn griff zur Flasche

Seitdem findet mein Sohn aus dem Tief nicht mehr heraus. Ihm erscheint einfach alles nur noch sinnlos. Er entwickelte nicht nur eine schwere Depression, sondern begann auch noch damit, diese mit Alkohol zu bekämpfen. Um an Schnaps zu kommen, verkauft er seine letzte Habe über eBay. Dies führt bei uns immer wieder zu Auseinandersetzungen, da ich einfach nicht ertragen kann, dass er momentan keine Anstrengungen unternimmt, um aus dem Loch herauszukommen. In guten Phasen geht es auch mal wochenlang aufwärts, ehe der nächste Einbruch kommt. Tagtäglich fechten wir Diskussionen um die Mengen aus, da ich die Schnapslieferungen in der Regel abfange und reduzierte Mengen zuteile. In nüchternen Momenten sieht er das sogar ein und ist froh darüber. Aber eben nicht immer. Sein Seelenzustand ist leider ansteckend: Auch mir fällt es von Tag zu Tag schwerer, überhaupt noch aufzustehen. Wir sind in einen Teufelskreis geraten. Das eigene Kind vor die Hunde gehen zu sehen und hilflos danebenzustehen: Das ist das Härteste, was man sich vorstellen kann.